Die Subprime-Krise als Auslöser der
internationalen Finanzkrise
Auslöser für die
internationale Finanzkrise, die die Welt seit 2008 erschüttert,
war die so genannte Krise am Subprime-Markt (Subprime-Krise,
US-Hypothekenkrise) in den USA, die ab 2007 ihren Lauf nahm.
Diese hatte gravierenden Folgen auch für Deutschland und
Europa. Einst renommierte deutsche Kreditinstitute wie die
Düsseldorfer IKB, die WestLB und die SachsenLB, aber auch die
weltweit größte Bank, die Citigroup in Amerika, machten
horrende Verluste in Milliarden-Höhe.
Mit der Insolvenz des
Investmenthauses Lehman Brothers am 15. September 2008 nahm die
weltweite Krise ihren Verlauf, die bis zum drohenden
Staatsbankrott der Inselrepublik Irland führte. Die
internationalen Börsenkurse gingen tief in den Keller, dass sie
selbst den „Schwarzen Donnerstag“, den 24. Oktober 1929, in den
Schatten stellte, der einst den Beginn der Weltwirtschaftkrise
einleitete.
Im Oktober 2008 hält die
Welt den Atem an und wartet die Folgen ab, die zu erwarten
sind: hohe Arbeitslosigkeit, Rezession, weitere Bankencrashs,
Rückgang der Automobil-Industrie und eine Verstärkung der Krise
durch die zu erwartende Kreditkartenkrise im dritten
Quartal 2009….
Wie die
Subprime-Krise begann...
In den USA werden
Kredite variabel verzinst und richten sich in ihrer Höhe nach
dem amerikanischen Leitzins, der von der Fed (Federal Reserve
System) festgelegt wird. In der Folge des Platzens der
Dotcom-Blase („Neuer Markt“) Anfang des neuen Jahrtausends und
den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden die Leitzinsen vom
damaligen Fed-Chef Alan Greenspan mehrfach und kräftig gesenkt,
um durch die verbilligten Kredite für eine höhere
Investitionsbereitschaft und privaten Konsum zu
sorgen.
Nach mehrfachen
Senkungen der Leitzinsen durch die amerikanische Zentralbank
Fed (Federal Reserve System) war das Zinsniveau auf historische
Tiefststände gesunken. Dadurch war es in den Vereinigten
Staaten möglich, mit geringen Zinsen Immobilienkredite zu
erhalten. Da infolge der Zinssenkungen auch die US-Konjunktur
brummte, die Beschäftigung stieg und für große Teile der
US-Haushalte ein regelmäßiges festes Einkommen möglich war,
folgte ein Run auf Immobilien. Die Folge waren steigende Preise
bei Häuser und Wohnungen, was die Amerikaner vom Kauf auch
teurerer Immobilien nicht abhielt.

Da die Amerikaner nicht als sparfreudig gelten (die
amerikanische Sparrate liegt bei ca. 3 Prozent, in Deutschland
sind es 2008 11,2 Prozent gewesen) und nahezu alles auf Kredit
kaufen, wurden auch die meisten Immobilien zu 100 Prozent
finanziert. Außerdem erhielt man auf Kredite von Verbrauchern
mit niedrigen Einkommen höhere Zinsen, so dass es für Banken
und Immobilienfinanzierer lukrativ war, auch so genannte
Subprime-Kredite anzubieten. Diese Immobilien wurden als so
genannte „subrime mortgages“ vergeben, was soviel bedeutet wie
„zweitklassige Hypothek“. Die Zweitklassigkeit bestand darin,
dass die Kreditnehmer über keine erstklassige Bonität
verfügten, um die Kreditgeber bei einem Ausfall durch Insolvenz
oder Zwangsversteigerung zu schützen.
Als Sicherheitsleistung wurden die Immobilien selbst
akzeptiert. Vor dem Hintergrund einer ständigen Wertsteigerung
dieser Immobilien wurden immer mehr Kredite vergeben, die
Immobilien wurden immer teurer und somit die Risiken immer
größer.
Der Staat wirkte
kräftig mit…
Es passte gut in das
amerikanische Ideal der Eigentumsbildung, dass jetzt auch immer
mehr Mittelklassefamilien Immobilienhypotheken für den Hauskauf
erhielten. Viele wurden erst durch effektive Steuergeschenke in
die Lage versetzt, sich eine Immobilie zu kaufen, doch die
staatlichen Eingriffe verschärften die Immobilienblase. Für die
Förderung zuständig waren die beiden halbstaatlichen Banken
„Freddie Mae“ und „Fannie Mac“, die ab dem 7. September 2008
von der zuständigen Aufsichtsbehörde FHFA (Federal Housing
Finance Agency) kontrolliert werden, um so einen jeweiligen
Bankrott zu verhindern. Allein Fannie Mae hatte für die
Finanzierung der Hypotheken so viele Anleihen ausgegeben, dass
das Unternehmen mit rund 2.400 Milliarden Dollar einer der
größten Schuldner der Welt war.
Denn um nicht allein das
Risiko der zweitklassigen Forderungen tragen zu müssen, wurden
sie gebündelt und in Form von Anleihen vergeben, mit denen
Hedge Fonds, Banken und Versicherungen handeln konnten.
Lukrativ waren diese Anleihen besonders deshalb, weil sie
wesentlich höhere Wertzuwächse erzielten als die sicheren
Staatsanleihen. Die teilweise zweistelligen Wertsteigerungen
lockten große Investoren, damit zu handeln und in ihr Portfolio
zu übernehmen.
Die durch die
zweitklassigen Hypotheken finanzierten Immobilien gewannen
ständig an Wert und wurden als Sicherheitsleistung bei
Zahlungsunfähigkeit betrachtet. Die Kreditgeber vergaben immer
mehr Kredite und bündelten schließlich Ihre Forderungen in Form
von Anleihen, die von Hedge Fonds, Banken und Versicherungen
gehandelt werden können. Da diese Anleihen höhere Wertzuwächse
(teilweise zweistellige prozentuale Wertsteigerungen) aufweisen
konnten als beispielsweise sichere Staatsanleihen, sind viele
große Investoren auf diesen Zug aufgesprungen.
Als die
Immobilienpreise einbrachen…
nahm das Unheil für die Welt seinen Lauf. Durch
die ständigen Wertsteigerungen war eine Immobilienblase
entstanden, die zu platzen drohte, denn um der steigenden
Inflationsgefahr zu begegnen, erhöhte die Fed ab Ende 2004
sukzessive den Leitzins. Da die amerikanischen Kredite
jedoch an den Leitzins gebunden waren, stiegen auch die
Zinsen für Hypothekenkredite. Erste Schuldner konnten die
Raten nicht mehr zahlen und fielen im Subprime-Bereich
aus.
Dann ließ das Konjunkturklima nach, die Einkommen stagnierten
und die Arbeitsmarktdaten verschlechterten sich. Wie bereits
erwähnt, wurden die Immobilien als Sicherheitsleistung genommen
und somit verloren die ersten Amerikaner ihre Häuser. Wegen der
anfangs geringen Zahl störte sich niemand daran – außer
natürlich den Menschen, die ihre Immobilie verloren – denn
einige Ausfälle waren in den hohen Zinssätzen bereits
eingepreist. Die ersten Anzeichen der Subprime-Krise waren
jedoch da.
Alles war noch
gut, bis plötzlich…
die Immobilienpreise in
den USA einbrachen, weil die Anzahl derer, deren Immobilien
zwangsversteigert wurden, auf die Immobilienpreise in den USA
drückten. Je höher der Leitzins stieg, um so stärker wuchs die
Zahl der ausfallenden Kredite mit der Folge, dass noch mehr
Immobilien den Markt überschwemmten. Das wiederum drückte immer
mehr auf die Immobilienpreise, die durch Subprime-Kredite
finanziert worden waren, bis sie als Sicherheit nicht mehr
taugten, so weit waren die Immobilienpreise in den Keller
gefallen.
Erste Banken mussten einen
immer größeren Teil ihrer Kredite abschreiben und machten
erhebliche Verluste. Ein Dominoeffekt war eingetreten und
sollte sich immer mehr beschleunigen.
Da die Kredite nicht
mehr vollständig durch die Immobilien gedeckt waren, verloren
die Anleihen auf die Subprime Mortgages massiv an Wert. Doch
als erste Hedge Fonds, Banken und Versicherungen keine Anleihen
auf Subprime Mortgages mehr kaufen wollten und die Werte im
Keller waren, mussten Banken und Großinvestoren Milliarden
Dollar abschreiben. Hedge Fonds, die zum Verkauf von Anleihen
gezwungen sind, konnten diese nicht mehr auf dem Markt
unterbringen und verloren ebenfalls. Dieser Domino-Effekt zieht
sich durch das gesamte Finanzsystem weltweit und bedroht sogar
die Inselrepublik Island mit einem Staatsbankrott.
Credit Default
Swaps (CSD) können der nächste Gau im Finanz-Domino-Effekt
werden…
Den Namen Blythe Masters
könnte man sich merken. Denn sie hat als blutjunge
Mathematikerin (Jahrgang 1970), Cambridge-Absolventin und
Angestellte von JF Morgan Chase in New York etwas erfunden, was
den verheerenden Tsunami Weihnachten 2004 als leichte
Wellenbewegung gegen das erscheinen lässt, was die Finanzwelt
noch zu erwarten hat: die Erfindung von „Credit Default Swaps“,
kurz CDS genannt. Obwohl sie damals erst ihr
Universitätsstudium abgeschlossen hatte, überzeugte sie ihre
Chefs von einem revolutionärem neuen Produkt, das heute ein
Gefährdungspotenzial für die Weltwirtschaft in Höhe von 62
Billionen Dollar horten soll.
Mit diesen CDS haben
sich die Banken untereinander versichert, im Falle fauler
Kredite füreinander einzustehen, ähnlich einer Versicherung.
Durch eine breitere Verteilung der Kreditrisiken sollte die
Fähigkeit des Finanzsystems geschaffen werden, Schocks zu
absorbieren. Doch die Achillesferse dieses Systems ist die
Gefahr systemischer Krisen – also der Subprime Krise. Die CDS
sind deshalb seit Jahren in das Zentrum des Interesses der
Finanzmarktakteure gerückt, weil sie die Loslösung des
Kreditrisikos von der zu Grunde liegenden Kreditbeziehung
ermöglichen.
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Durch die separate Handelbarkeit dieser Ausfallrisiken sollte
das Möglichkeitsspektrum für eine systematische Risiko- und
Ertragssteuerung erweitern. Damit (dem CDS) kann sich ein
Sicherungsnehmer (Sicherungskäufer) gegen bestimmte Risiken aus
einer Kreditbeziehung gegen Bezahlung einer Prämie an den
Sicherungsgeber (Sicherungsverkäufer) ähnlich einer
Versicherung absichern. Unternehmen wie Lehman Brothers haben
in großem Stil damit gehandelt, so dass die CDS-Verkäufer jetzt
tatsächlich gezwungen sind, dem Käufer die vereinbarte Summe
auch auszuzahlen. Man geht von einem konkreten Risikovolumen
von rund 8 Mrd. $ aus, weil sich die CDS-Verkäufer meist selbst
abgesichert haben.
Mit einem Ende der Krise
ist also noch lange nicht zu rechnen, insbesondere, weil auch
noch eine weitere Krise in 2009 droht: die Kreditkartenkrise.
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