;
...bis zum 31. Dezember 2011
 

  BayernLB braucht 5.400.000.000 Euro -
auch durch Ungemach von Island


Bayerns Finanzminister und Verwaltungsratchef der BayernLB, Erwin Huber (CSU), trat kurz nach 20:00 Uhr in der Galerie der BayernLB in München vor laufende Kameras und teilte mit, dass die BayernLB als erstes Finanzinstitut das Rettungspaket des Bundes in Anspruch nehmen muss. Die bayrische Landesbank benötigt 5,4 Milliarden Euro, weil sie durch Fehlspekulationen auf dem US-Immobilienmarkt in Schwierigkeiten geraten war. Die Bank hatte mit US-Hypotheken spekuliert und war in den vergangenen Monaten immer tiefer in den Strudel der internationalen Finanzkrise geraten.

Bereits lange vorher wurde spekuliert, doch am Dienstagabend kam die Gewissheit. Damit will die erste deutsche Bank das Hilfspaket der Bundesregierung, das mit einer in der Geschichte der Bundesrepublik einmaligen Höhe von 480 Milliarden Euro ausgestattet ist, für Stabilisierungsmaßnahmen in Anspruch nehmen. Bei der Pressekonferenz teilte Huber, für den die Luft jetzt immer dünner wird,  gleichzeitig mit, dass die Folgen des Hilfspakets greifen: Die Streichung von Bonifikationen und die Überprüfung der Einkünfte der Top-Manager und die Streichung der Zahlung von Dividenden. Gerade die Streichung von Dividenden fürchten die bayrischen Sparkassen, weil sie bei Inanspruchnahme des Rettungspakets massive finanzielle Einbußen zu erwarten haben. Als 50-Prozent-Eigner seien die Sparkassen Risikoträger der Landesbank und erhielten dafür Dividenden als eine wichtige Einnahmequelle für die öffentlich-rechtlichen Institute.

Über die 5,4 Milliarden Euro hinaus, die als Stärkung des Eigenkapitals vorgesehen sind, unterstützen der Freistaat und die Sparkassen eine Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro. Dabei soll der Staat Bayern 700 Millionen Euro übernehmen und die verbleibenden 300 Millionen die Sparkassen, wie Huber bei der Pressekonferenz weiter mitteilte. Neben ihm stand auch der Sparkassen-Präsident Siegfried Naser sowie BayernLB-Chef Michael Kemmer mit ernsten Gesichtern und müden Blicken nach einer rund fünfstündigen Krisensitzung.

Die Lage der BayernLB, die einst so stolz war und jahrzehntelang gute Ergebnisse lieferte, gilt als sehr ernst und es blieb ihr am Ende auch gar keine andere Wahl, als sich unter den neuen Rettungsschirm des Bundes zu flüchten. Dabei tröstet es wenig, dass nicht die BayernLB allein von der Finanzkrise betroffen sei, sondern ebenso einst renommierte Institute in der ganzen Welt, wie am Abend von Siegfried Naser die öffentliche Diskussion kritisiert wurde.

Michael Kemmer, Chef der BayernLB, sprach als letzter. Noch vor wenigen Monaten sei er mit viel Elan als Chef gestartet und verglich den staatlichen Rettungsschirm mit Mikado: Wer sich zuerst bewegt, hat in der öffentlichen Wahrnehmung verloren. Doch wenn er damit auch für andere in die Bresche springe, sei das auch ok und ein “weiter so” werde es bei der BayernLB nicht geben, er glaube an die Zukunft der Bank.

Abschließend wurden die drei ernst blickenden gefragt, ob sich einer von ihnen entschuldigen wolle und Kerner antwortete: “Wer ohne Sünde sei, der werfe den ersten Stein”. Es müsse nach Fehlern gesucht werden und theatralische Entschuldigungen seien seine Sache aber nicht.

Flatex Easy Online BrokerDoch noch vor der entscheidenden Sitzung zum Rettungspaket war man von einer Summe zwischen zwei bis fünf Milliarden Euro ausgegangen. So wurde auch die Informationspolitik der Bank kritisiert, die zu einer Unterbrechung der Koalitionsverhandlungen zwischen der CSU und der FDP nach der für die CSU verlorenen Landtagswahl führte, um das genaue Maß der Belastungen für den bayrischen Haushalt zu kennen. Insgesamt sprach das “Handelsblatt” in der Online-Ausgabe von einem Verlust von drei Milliarden Euro in 2008. Ein Teil davon könnte ein Milliarden-Engagement auf der von einer Staatspleite bedrohten Atlantikinsel Island kosten. Dort habe sich die zweitgrößte deutsche Landesbank mit 1,7 Milliarden Euro engagiert. Diese Summe war nach Berichten der “Abendzeitung” Anlass für ein Aussetzen der Koalitionsverhandlungen, weil diese Größenordnung verschwiegen worden war.

Außerdem muss die BayernLB nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers um 500 Millionen Euro fürchten, wie die “Abendzeitung” in ihrer Online-Ausgabe weiter berichtete. Sie selbst sprach in diesem Zusammenhang von Ausfallrisiken in einer Größenordnung von maximal 300 Millionen Euro. Die Bank habe Wertpapierbestände von rund 24 Milliarden Euro, die im Zuge der US-Immobilienkrise von einer Abwertung bedroht seien. Es bleibt also noch zu fürchten, dass sie dich Wertpapierbreichtigungen in den nächsten Monaten und Jahren fortsetzen werden.

zurück nach oben