BayernLB braucht 5.400.000.000 Euro
-
auch durch Ungemach von Island
Bayerns
Finanzminister und Verwaltungsratchef der BayernLB, Erwin Huber
(CSU), trat kurz nach 20:00 Uhr in der Galerie der BayernLB in
München vor laufende Kameras und teilte mit, dass die BayernLB
als erstes Finanzinstitut das Rettungspaket des Bundes in
Anspruch nehmen muss. Die bayrische Landesbank benötigt 5,4
Milliarden Euro, weil sie durch Fehlspekulationen auf dem
US-Immobilienmarkt in Schwierigkeiten geraten war. Die Bank
hatte mit US-Hypotheken spekuliert und war in den vergangenen
Monaten immer tiefer in den Strudel der internationalen
Finanzkrise geraten.
Bereits lange vorher wurde spekuliert, doch am Dienstagabend
kam die Gewissheit. Damit will die erste deutsche Bank das
Hilfspaket der Bundesregierung, das mit einer in der Geschichte
der Bundesrepublik einmaligen Höhe von 480 Milliarden Euro
ausgestattet ist, für Stabilisierungsmaßnahmen in Anspruch
nehmen. Bei der Pressekonferenz teilte Huber, für den die Luft
jetzt immer dünner wird, gleichzeitig mit, dass die
Folgen des Hilfspakets greifen: Die Streichung von
Bonifikationen und die Überprüfung der Einkünfte der
Top-Manager und die Streichung der Zahlung von Dividenden.
Gerade die Streichung von Dividenden fürchten die bayrischen
Sparkassen, weil sie bei Inanspruchnahme des Rettungspakets
massive finanzielle Einbußen zu erwarten haben. Als
50-Prozent-Eigner seien die Sparkassen Risikoträger der
Landesbank und erhielten dafür Dividenden als eine wichtige
Einnahmequelle für die öffentlich-rechtlichen
Institute.
Über die 5,4 Milliarden
Euro hinaus, die als Stärkung des Eigenkapitals vorgesehen
sind, unterstützen der Freistaat und die Sparkassen eine
Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro. Dabei soll der Staat
Bayern 700 Millionen Euro übernehmen und die verbleibenden 300
Millionen die Sparkassen, wie Huber bei der Pressekonferenz
weiter mitteilte. Neben ihm stand auch der Sparkassen-Präsident
Siegfried Naser sowie BayernLB-Chef Michael Kemmer mit ernsten
Gesichtern und müden Blicken nach einer rund fünfstündigen
Krisensitzung.
Die Lage der BayernLB,
die einst so stolz war und jahrzehntelang gute Ergebnisse
lieferte, gilt als sehr ernst und es blieb ihr am Ende auch gar
keine andere Wahl, als sich unter den neuen Rettungsschirm des
Bundes zu flüchten. Dabei tröstet es wenig, dass nicht die
BayernLB allein von der Finanzkrise betroffen sei, sondern
ebenso einst renommierte Institute in der ganzen Welt, wie am
Abend von Siegfried Naser die öffentliche Diskussion kritisiert
wurde.
Michael Kemmer, Chef der
BayernLB, sprach als letzter. Noch vor wenigen Monaten sei er
mit viel Elan als Chef gestartet und verglich den staatlichen
Rettungsschirm mit Mikado: Wer sich zuerst bewegt, hat in der
öffentlichen Wahrnehmung verloren. Doch wenn er damit auch für
andere in die Bresche springe, sei das auch ok und ein “weiter
so” werde es bei der BayernLB nicht geben, er glaube an die
Zukunft der Bank.
Abschließend wurden die
drei ernst blickenden gefragt, ob sich einer von ihnen
entschuldigen wolle und Kerner antwortete: “Wer ohne Sünde sei,
der werfe den ersten Stein”. Es müsse nach Fehlern gesucht
werden und theatralische Entschuldigungen seien seine Sache
aber nicht.
Doch noch vor der entscheidenden Sitzung
zum Rettungspaket war man von einer Summe zwischen zwei
bis fünf Milliarden Euro ausgegangen. So wurde auch die
Informationspolitik der Bank kritisiert, die zu einer
Unterbrechung der Koalitionsverhandlungen zwischen der CSU
und der FDP nach der für die CSU verlorenen Landtagswahl
führte, um das genaue Maß der Belastungen für den
bayrischen Haushalt zu kennen. Insgesamt sprach das
“Handelsblatt” in der Online-Ausgabe von einem Verlust von
drei Milliarden Euro in 2008. Ein Teil davon könnte ein
Milliarden-Engagement auf der von einer Staatspleite
bedrohten Atlantikinsel Island kosten. Dort habe sich die
zweitgrößte deutsche Landesbank mit 1,7 Milliarden Euro
engagiert. Diese Summe war nach Berichten der
“Abendzeitung” Anlass für ein Aussetzen der
Koalitionsverhandlungen, weil diese Größenordnung
verschwiegen worden war.
Außerdem muss die
BayernLB nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers
um 500 Millionen Euro fürchten, wie die “Abendzeitung” in ihrer
Online-Ausgabe weiter berichtete. Sie selbst sprach in diesem
Zusammenhang von Ausfallrisiken in einer Größenordnung von
maximal 300 Millionen Euro. Die Bank habe Wertpapierbestände
von rund 24 Milliarden Euro, die im Zuge der US-Immobilienkrise
von einer Abwertung bedroht seien. Es bleibt also noch zu
fürchten, dass sie dich Wertpapierbreichtigungen in den
nächsten Monaten und Jahren fortsetzen werden.

|